Lieferkettengesetz, Kreislaufwirtschaft und Produktverantwortung

Wenn wir etwas am Computer bestellen und unsere online Warenkörbe füllen, bleibt der Prozess, der das Produkt bis zu diesem Punkt gebracht hat, und die damit verbundenen Konsequenzen, oftmals im Hintergrund.  Doch das Thema Produktverantwortung wird immer wichtiger und wird nun auch gesetzlich verschärft. Mit dem im Februar 2021 verabschiedeten Regierungsentwurf zum Lieferkettengesetz (Sorgfaltspflichtengesetz) wird Aufmerksamkeit auf die Herstellung von Produkten gelenkt – bis zum Warenkorb, mit besonderem Augenmerk auf Menschenrechte. Das Europäische Parlament geht da sogar noch eine Schritt weiter, im Gesetzesentwurf zur Sorgfaltspflicht und Rechenschaftspflicht von Unternehmen vom März 2021 werden auch deutlich Umweltaspekte und Folgen des Klimawandels als Teil der Verantwortung genannt.

 

Beide Entwürfe verpflichten die Unternehmen, ihre Strategie zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten in Form eines Berichts auf der eigenen Webpage zu veröffentlichen und diesen Bericht der zuständigen nationalen Behörde zu übermitteln, bzw. auf eine (noch einzurichtende) zentrale europäische Plattform hochzuladen. Die deutsche Wirtschaft soll also zukünftig nicht nur Präventions- und Kontrollmaßnahmen installieren, sondern diese Schritte auch dokumentieren. Die Nichterfüllung der Sorgfaltspflichten soll entsprechend dem deutschen Entwurf mit Bußgeldern von bis zu 2% des durchschnittlichen Jahresumsatzes geahndet werden können.

 

Der Wunsch nach langlebigen, haltbaren, fair hergestellten Produkten von Unternehmen, die sich Gedanken machen zu ihrer sozialen und nachhaltigen Verantwortung, wird zudem auch von Verbraucherseite immer stärker.

 

Doch was genau bedeutet diese Produktverantwortung? Wo fängt Sie an und wo hört Sie auf?

 

Eine hohe  Produktverantwortung vereint  nachhaltige, soziale und moralische Ansprüche. Das beginnt bereits in der Entwicklung eines Produkts, für das sich folgende Fragen stellen lassen:

 

  • Wie kann das Produkt möglichst langlebig, nachhaltig und wiederverwertbar gestaltet werden?
  • Welche fairen Standards gegenüber Mensch und Umwelt können entlang der Lieferkette erreicht werden?
  • Welche Rolle spielen Verbraucher*innen, bzw. ihr  bewusster und sorgsamer Umgang mit Produkten?
  • Wie kann die Langlebigkeit des Produkts gewährleistet werden, damit es nicht gleich entsorgt werden muss – lässt es sich z.B. einfach reparieren, wiederverwenden oder wiederverwerten?

 

Das Lieferkettengesetz beschäftigt sich mit dem Lebenszyklus bis zum Warenkorb, aber was passiert danach?

 

Retouren sind ebenfalls Produkte, für die Verantwortung übernommen werden muss. Zum einen freiwillig von den Verbraucher*Innen in ihrem Kauf- und Bestellverhalten, zum anderen von Unternehmen und Händler*Innen, die Qualitätsstandards versichern, auf einen nachhaltigen Umgang mit Retouren setzen und Vermeidungsstrategien von Retouren vorweisen. Bald werden Unternehmen und Händler*innen  diese Vorgehensweisen auch dokumentieren müssen. Denn hier greift das Kreislaufwirtschaftsgesetz, welches im November 2020 verabschiedet wurde.  §23 beschäftigt sich z.B. mit der Produktverantwortung:

 

“…Erzeugnisse sind möglichst so zu gestalten, dass bei ihrer Herstellung und ihrem Gebrauch das Entstehen von Abfällen vermindert wird und sichergestellt ist, dass die nach ihrem Gebrauch entstandenen Abfälle umweltverträglich verwertet oder beseitigt werden. Beim Vertrieb der Erzeugnisse ist dafür zu sorgen, dass deren Gebrauchstauglichkeit erhalten bleibt und diese nicht zu Abfall werden.” 

 

So beziehen sich beide Gesetze auf die Herstellung von Produkten und fordern dabei die Berücksichtigung der Sorgfalt und der Verantwortung. Die Entwicklung geht in Richtung einer gelebten und transparenten Produktverantwortung mit zunehmenden Dokumentationspflichten.

 

Bei Retourenregister e.V. ist die Produktverantwortung ein wichtiger Ansporn, um gemeinsam mit allen Beteiligten (Unternehmen, Verbraucher*Innen und Politik) ein Verständnis und letztendlich ein System zu schaffen, dass diesen Werten gerecht wird.

 

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lieferkettengesetz-textilindustrie-rohstoffindustrie-1.5231058

https://www.bmz.de/de/themen/lieferkettengesetz/index.html

Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/koalition-einigt-sich-auf-kompromiss-lieferkettengesetz.2897.de.html?dram:article_id=492469